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Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen e.V.
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10 Jahre ForseA e.V.


Grußwort von Silvia Schmidt, der behindertenpolitischen Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion

Foto: Silvia SchmidtMeine Damen und Herren,

ganz herzlich danke ich Ihnen für Ihre Einladung.

10 Jahre ForseA – das ist wirklich ein Grund zu feiern!

In der Einladung lese ich, dass ForseA "nicht gerade durch große Feste aufgefallen ist." Das könnte stimmen…. Aufgefallen ist ForseA durch etwas ganz anderes: ForseA wurde in den vergangenen 10 Jahren zu einer bundesweiten, verbands- und behinderungsübergreifende Lobby für behinderte Menschen mit Assistenzbedarf.  Begonnen hatte Alles Anfang der 90-er Jahre. Damals stand die Pflegeversicherung kurz vor der Einführung; Änderungen im damaligen Bundessozialhilfe-Gesetz standen bevor. Uwe Frevert von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben (ISL e.V.) in Kassel und einige Mitstreiter hatten den Handlungsbedarf erkannt.

1994 gründete sich das "Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen". Es machte sich einen Namen durch Lobby-Arbeit für behinderte, speziell für Assistenz nehmende Menschen. In der Folge kam es zu Treffen, Demonstrationen, Gesprächen mit Politikern.

Aber ohne geregelten Rechtsstatus wurde es immer schwieriger, effektiv und schnell zu handeln. Am 19. April 1997 trafen sich in Würzburg 13 Personen zur Gründungsversammlung. Es folgten: Viel Arbeit, steigende öffentliche Wahrnehmung und ein stetiger Zuwachs an Mitgliedern.

Die erste größere Veranstaltung war die "Straße der Menschenrechtsverletzungen" am 30. Mai 1998 in Kassel, die Sie gemeinsam mit der ISL durchführten. Sie war auch gleichzeitig die erste von der AKTION MENSCH geförderte Kampagne.

Ich greife einige Highlights heraus: Erfolgreich war 2001 die Veranstaltungsreihe "Behinderte on Tour - für Menschenwürde in der Pflege". Sie führte in über 30 Städte und beinhaltete mehr als 60 Veranstaltungen.

Diese Arbeit in und an der Öffentlichkeit war und ist wichtig. Viele Menschen hatten (und haben bis heute!) noch nie von der Möglichkeit gehört, die notwendigen Hilfen mittels Assistenz selbst zu organisieren.

Diesen Veranstaltungsreihen folgte 2002 die Kampagne "Faire Assistenz" mit sage und schreibe 31 Veranstaltungen. Mit dieser Kampagne forderten Sie den Rechtsanspruch auf gleiche Assistenzbedingungen im gesamten Bundesgebiet mit an Tariflöhnen orientierten Löhnen für die Assistentinnen und Assistenten ein.

Im Jahr 2004 starteten Sie die Kampagne "Marsch aus den Institutionen – Reißt die Mauern nieder!" Doch leider ist der Marsch noch nicht an sein Ziel gelangt. Allzu viele Mauern stehen noch. Und sie können erst dann endgültig fallen, wenn genügend ambulante Alternativen geschaffen sind.

Vom Juli 2004 an arbeiten Sie in der Arbeitsgruppe "Persönliches Budget" der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) mit. Der Arbeitsschwerpunkt dieser AG liegt in der Erstellung und ständigen Überarbeitung der "Vorläufigen Handlungsempfehlungen zum Persönlichen Budget".

Und schließlich beraten Sie behinderte Menschen sowie deren Angehörige rund um die Themen Persönliche Assistenz, Arbeitgebermodell, Persönliches Budget und Pflegeversicherung. Und Sie geben das informative INFORUM und weitere Publikationen heraus.

Und, und, und …!!!  Es würde den Rahmen sprengen, alle Tagungen, Seminare, Schulungen, Anhörungen, Symposien und die Mitarbeit in zahlreichen Gremien aufzuzählen, nicht zu vergessen die intensive Beratung und Begleitung von Assistenznehmern und solchen, die es werden wollen…

Wie viele Arbeitsstunden mögen auf diese Weise geleistet worden sein? Das alles weiß niemand so gut wie Sie, die Initiatoren.

Seien Sie stolz darauf!

Glücklich stimmt mich die Kooperation zwischen ForseA und der Bundesinitiative „Daheim statt Heim“.

Viel gemeinsame Arbeit wurde geschafft, viel Arbeit liegt aber noch vor uns. Denn Deutschland haben wir noch viel zu lernen – und z.B. gegenüber den skandinavischen Ländern auch viel nachzuholen.

Immer noch leiden wir an einer Sozialpolitik, die der Realität hinterherläuft und Menschen stigmatisiert und ausschließt. Die Kasernierung von Menschen mit Behinderung stellt einen kollektiven Rest an überholten Wertvorstellungen dar. Kein Mensch muss in einer Anstalt wohnen, wie groß die Beeinträchtigung auch sein mag.

Die Beteiligung der Betroffenen kann nicht anders erfolgen als nach der Devise    "Nichts über uns ohne uns". Dieser Paradigmenwechsel kommt übrigens nicht nur pflegebedürftigen Menschen, sondern auch deren Angehörigen und den Beschäftigten in stationären Einrichtungen zugute.

Ich danke Ihnen und freue mich auf ein fröhliches Fest!

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