Bundesverband
Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen e.V.
Position: Projekte > 2004 Marsch

Marsch aus den Institutionen
Reißt die Mauern nieder!

Logo der Kampagne, Vergrößerung durch Maus-KlickDer Marsch aus den Institutionen tut Not

Das Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen – ForseA e.V. - hat sich 1997 vor allem deshalb gegründet, um behinderten Menschen, die auf personelle Hilfen angewiesen sind, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen – und zwar in der von ihnen selbst gewählten Umgebung. Daher haben wir uns einerseits für die Verbesserung der Rahmenbedingungen bei der Bewilligung von Leistungen zur Persönlichen Assistenz stark gemacht. Andererseits war es uns auch stets ein großes Anliegen, behinderte Menschen vor der Einweisung in Einrichtungen zu bewahren, bzw. ihnen den Auszug aus Behinderteneinrichtungen zu ermöglichen.

Mittels einer fast ausschließlich ehrenamtlich geleisteten Beratung, Schulung, Interessenvertretung und Öffentlichkeitsarbeit gelang es uns auf diese Weise, vielen behinderten Menschen, die zum Teil einen sehr hohen Unterstützungsbedarf haben, neue Wege zu einem selbstbestimmteren Leben inmitten der Gemeinde zu eröffnen.

An diese Erfahrungen und Erfolge wollen wir mit dieser von der Aktion Mensch, sowie von vielen Verbänden und Einzelpersonen unterstützten Kampagne anknüpfen und uns gezielt auf den längst überfälligen Wandlungsprozess von der stationären „Fürsorge“ und „Betreuung“ zur ambulanten Unterstützung von behinderten Menschen konzentrieren. Anhand des Sinnbildes des „Marsch aus den Institutionen“ wollen wir mit dieser Aufklärungskampagne einerseits dafür werben, dass mehr behinderten Menschen die Türen geöffnet werden, damit diese wohnortnah unterstützt werden und nicht mehr in Behinderteneinrichtungen leben müssen, wenn sie dies nicht wollen.

Andererseits wollen wir aber auch konkret behinderte Menschen dabei unterstützen, diesen Weg aus den Institutionen zu gehen. Mit einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit und öffentlichkeitswirksamen Aktionen wollen wir diesen Prozess in die Öffentlichkeit tragen und die Notwendigkeit für politische und organisatorische Reformen deutlich machen. Dies ist vor allem aufgrund der aktuellen Einführung der Persönlichen Budgets nötiger denn je. Dabei wollen wir sicherstellen, dass behinderte Menschen selbst die entscheidende Rolle bei dieser Kampagne spielen, so dass ihre Stimme verstärkt in dieser Diskussion gehört wird.

Den Aufhänger und Startschuss für diese Kampagne bildet der Berlin-Marathon am 26. September 2004. Hierfür ist es uns gelungen, einige bekannte Protagonisten der Selbstbestimmt Leben Bewegung behinderter Menschen zu gewinnen, die entweder zu Fuß, per Rollstuhl oder mit einem Handbike die 42,192 km zurücklegen werden. Dabei handelt es sich nicht um traditionelle BehindertensportlerInnen, sondern zum Teil sogar eher um unsportliche Menschen, die mit ihrer Teilnahme und ihrer eigenen Geschichte deutlich machen, dass es sich lohnt, sich zu engagieren um ein angestrebtes Ziel zu erreichen.

Unter dem Motto „Marsch aus den Institutionen“ wollen wir anhand des Marathons und dieses Symbols in den 43 Folgewochen wöchentlich jeweils ein Thema aufgreifen, das nötig ist, um den Weg aus der institutionellen zur ambulanten Unterstützung zu schaffen. Diese Themen reichen vom Peer Counseling, über die Persönliche Zukunftsplanung und positive Rollenvorbilder mit konkreten Erfahrungen, über die Darstellung internationaler Entwicklungen und Informationen über die Unterstützung vor Ort, bis zur Verbreitung konkreter Zahlen über die stationäre Unterbringung und die Vorstellung von Modellen wie der Persönlichen Assistenz und dem Persönlichen Budget.

In diesen 43 Schritten wollen wir nach dem öffentlichkeitswirksamen Start mit dem Berlin-Marathon dem Ziel einer wohnortnahen Unterstützung näher kommen. Konkrete Erfolge von behinderten Menschen sollen Mut machen die bestehenden Systeme zu ändern. Wir wollen die Politikerinnen und Politiker herausfordern, ambulante Unterstützungsstrukturen auch für Menschen mit einem hohen Unterstützungsbedarf zu schaffen bzw. zu stärken und damit den viel zitierten Paradigmenwechsel zu vollziehen. Dies werden wir durch die öffentlichkeitswirksamen Aktionen, die Erstellung und Veröffentlichung von Porträts von behinderten Menschen, das Aufzeigen von positiven Veränderungen in Behinderteneinrichtungen und durch Informations- und Diskussionsveranstaltungen in verschiedenen Städten einfordern.

Gleichzeitig wollen wir gemäß dem Slogan der 68er-Bewegung mit dem „Marsch durch die Institutionen“ in der Behindertenarbeit und –politik engagierte Menschen dazu anstiften, den „Marsch aus den Institutionen“ zu wagen und zu unterstützen. Hierfür wollen wir ein Netzwerk zur Deinstitutionalisierung und Einrichtungsreform aufbauen.

Im Hinblick auf die Tatsache, dass in Deutschland noch über 160.000 behinderte Menschen in Sondereinrichtungen leben müssen – und diese Zahl stetig ansteigt - haben wir uns hohe Ziele gesetzt und gibt es noch viel zu tun. Dass sich der Kampf lohnt, zeigen Erfahrungen in anderen Ländern wie zum Beispiel in Schweden und den USA, wo Behinderteneinrichtungen gezielt abgebaut und die ambulante Unterstützung gestärkt wurde. Um unser Ziel eines selbstbestimmten Lebens mit ambulanter Unterstützung zu erreichen, brauchen wir jegliche Hilfe, ob sie organisatorischer, politischer oder finanzieller Art ist, ob sie von einer Behindertenorganisation, aus der Politik, der Verwaltung oder von engagierten Einzelpersonen kommt. Denn eine solche Kampagne kostet nicht nur viel Geld, sondern auch viel Kraft. Wir bauen auf Ihre Unterstützung.

Unterschrift Elke Bartz
Elke Bartz
Vorsitzende
Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen – ForseA e.V.

Unterschrift Ottmar Miles-Pau
Ottmar Miles-Paul
koordinator der Kampagne

 

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