Bundesverband
Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen e.V.


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Leipzig (02. Mai 2001)

Selbstbestimmt Leben mit Persönlicher Assistenz

10.00 - 14.00 Uhr
im Leipziger Sendezentrum des mdr, Kantstr. in Leipzig

Veranstalter Mobiler Behindertendienst Leipzig e.V. Kontaktzentrum für Persönliche Assistenz,
Tel. 0341 5800041 - E-Mail: alexander.pansa@t-online.de

Beratungsmöglichkeit zur Assistenz

17.00 - 19.00 Uhr im Kontaktzentrum für Persönliche Assistenz,
Weinligstraße 11, 04155 Leipzig mit Elke Bartz und Alexander Pansa

Veranstalter Mobiler Behindertendienst Leipzig e.V. Kontaktzentrum für Persönliche Assistenz,
Tel. 0341-5800041 - E-Mail: alexander.pansa@t-online.de

Veranstaltungsbericht

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v.l.n.r.: Dr. Marion Michel, Elke Bartz, Alexander Pansa, Isolde Hauschild

Der Mobile Behindertendienst Leipzig e.V. - Kontaktzentrum für Persönliche Assistenz hatte zum öffentlichen Forum mit dem Thema "Selbstbestimmt Leben mit Persönlicher Assistenz" am 2. Mai eingeladen.

Rund 50 TeilnehmerInnen und Teilnehmer folgten dieser Einladung in den Konferenzraum des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Besonders erfreulich war, dass sich nicht nur körperbehinderte Menschen für das Thema interessierten, sondern auch blinde und gehörlose, sowie etliche in der Behindertenarbeit Tätige.

Alexander Pansa, Sozialwirt und Leiter des Kontaktzentrums Persönliche Assistenz  begrüßte die Anwesenden, stellte die Referentinnen vor und führte kurz ins Thema ein. Daran anschließend gab Dr. Marion Michel, Medizinsoziologin an der Universität Leipzig, eine sehr gute Übersicht über die Situation behinderter Menschen in den unterschiedlichen Lebensbereichen. So erläuterte sie unter anderem, dass selbst Ärzte sich hilflos und unerfahren im Umgang mit behinderten Menschen zeigen. In deren Studium kommt das Thema Umgang mit Behinderten oder gar Bedürfnisse behinderter und chronisch kranker Menschen so gut wie gar nicht vor.

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Isolde Hauschild, eine der beiden ersten behinderten Arbeitgeberinnen in Sachsen

Welche Möglichkeiten die Persönliche Assistenz bietet, was das Arbeitgebermodell für Vorteile beinhaltet, aber auch welche Verantwortung es mit sich bringt, stellte Elke Bartz in ihrem Referat dar. Sie verglich die verschiedenen Möglichkeiten der Versorgung wie in voll- und teilstationären Einrichtungen, der Hilfe durch ambulante Dienste und Sozialstationen, sowie der Unterstützung durch Familienangehörige miteinander. Gerade bei den Hilfeleistungen durch Partner kommt es oft dazu, dass sich eine partnerschaftliche Beziehung wie eine Ehe über kurz oder lang in ein reines Pflegeverhältnis wandelt. Viele Beziehungen halten dem nicht stand und zerbrechen über kurz oder lang daran. Persönliche Assistenz in Anspruch zu nehmen ist in solchen Beziehungen oft eine gute Lösung, um die Partnerschaft nicht zu gefährden.

Isolde und Elke Hauschild, zwei an Muskeldystrophie erkrankte Schwestern, sind die ersten - und bisher vermutlich einzigen - behinderten Arbeitgeberinnen in Sachsen. Isolde Hauschild berichtete sehr anschaulich, wie Dornen reich der Weg dorthin für ihre Schwester für sie und ihre Schwester war und auch immer noch ist. So mussten sie ihre berechtigten Ansprüche erst vor dem Verwaltungsgericht erkämpfen. Auch jetzt, seit sich der Hilfebedarf von Elke Hauschild als Folge einer lebensgefährlichen Lungenentzündung erhöht hat, wird dieser Bedarf nicht unproblematisch anerkannt. Doch wie meint Isolde Hauschild: " Der Kampf lohnt sich allemal, denn ins Heim zu gehen, kommt für uns auf keinen Fall in Frage. Angehörige, die uns helfen können, haben wir nicht. Und einen ambulanten Dienst, der uns die Hilfeleistungen im notwendigen Umfang und flexibel erbringen kann, gibt es nicht hier in Leipzig."

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Für die TV-Sendung "Selbstbestimmt" gab Elke Bartz noch ein Interview, das am 30.06.01 um 10.00 Uhr vom MDR ausgestrahlt wird.

Ihre Darstellungen haben sicher vielen der Anwesenden Mut gemacht zu überlegen, ob sie die notwendigen Hilfeleistungen nicht auch über das Arbeitgebermodell sichern sollen. In der Diskussion wurde deutlich, wie wichtig es ist, verschiedene Alternativen von Hilfsangeboten nebeneinander vorzufinden, damit alle die für sie richtige wählen können.

Alexander Pansa gab zum Abschluss einen kurzen Überblick über die Arbeit des Kontaktzentrums Persönliche Assistenz und bot Unterstützung bei Fragen in Sachen Assistenz an.

Am Abend des gleichen Tages gab es das Angebot zur Beratung und zum intensiven Austausch im Cafe Mobile, im Beratungszentrum des Mobilen Behindertendienstes Leipzig e.V.

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Nicht nur körper-, sondern auch sinnesbehinderte Menschen folgten der Einladung in das Sendezentrum des Mitteldeutschen Rundfunks

Dabei wurde sehr deutlich, in welch menschenunwürdigen Situationen schwerstpflegebedürftige Menschen leben - wenn hier überhaupt noch von leben und nicht von bloßem Existieren  geredet werden kann. Weil es keine ausreichenden Hilfsangebote gibt, können z.B. viele nicht ausreichend trinken, denn sie haben niemanden, der ihnen zur Toilette hilft. Wer stürzt, muss unter Umständen etliche Stunden, manchmal verletzt, auf Hilfe warten, bis endlich der ambulante Dienst zur üblichen Zeit erscheint. Dass es dabei nur noch gilt, das nackte Leben zu sichern und von Lebensqualität keine Rede mehr sein kann, wird auch der größte Ignorant nicht in Frage stellen können. Und es ist weiterhin bezeichnend, dass selbst solch unterversorgt lebenden Menschen die eigenen vier Wänden einer Anstalt vorziehen. Hier ist der Gesetzgeber gefordert, die rechtliche Grundlage zu verbessern, damit diesen Menschen der Zugang zur Persönlichen Assistenz vereinfacht wird und menschenunwürdige Lebenssituationen bald der Vergangenheit angehören. Gemeinsames Handeln und Forderungen an den Gesetzgeber von allen behinderten Menschen, gleichgültig mit welcher Behinderung lebend, ist dabei nötig, waren sich alle Anwesenden in der Gesprächsrunde einig.

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